Ranches, Rodeos und Revolver - meine Zeit in Wyoming


Zwei Reiter beim Branding
Zwei Cowboys bei einem Branding

Nach zwei Jahren Verzögerung – durch Corona – habe ich es endlich zurück nach Wyoming geschafft, wo ich seit Anfang März 2022 eine einjährige ethnologische Feldforschung durchführe. Mein Ziel ist es dabei mehr über das Verhältnis von Politik, ländlichen Lebensstilen und Umwelt herauszufinden. Mein Ansatz ist sehr praktisch orientiert, sodass ich bei vielen alltäglichen Aktivitäten nicht nur Zuschauer bin, sondern aktiv teilnehme. So habe ich unter anderem bereits einige Monate auf einer Ranch ausgeholfen, nehme gelegentlich bei Viehtrieben teil, besuche Rodeos und übe den Umgang mit Schusswaffen.


Lasso eines Cowboys

Nebenbei halte ich meine Erfahrungen auch fotografisch fest. Dabei versuche ich einen Mittelweg zwischen dokumentarischer und künstlerischer Fotografie zu finden - das heißt so viel wie möglich aus dem Leben der Menschen und Tiere zu zeigen, dies aber unter bestimmten fotografischen Gesichtspunkten. Zudem arbeite ich an einer eigenen Webseite für dieses Projekt, sodass ich hier nur ein paar wenige Aufnahmen präsentiere.



Ranching

In manchen Bereichen ersetzen ATVs inzwischen das Pferd

Für viele Menschen in Wyoming bildet das Ranching immer noch eine wichtige ökonomische Grundlage. So ist auch der Cowboy oder das Cowgirl in diesem Teil der USA immer noch sehr präsent. Wyoming gilt somit bis heute als der Cowboy State. Natürlich haben auch in Wyoming Maschinen die Arbeit auf einer Ranch verändert. Quads, Buggys und andere sogenannte ATVs (All Terrain Vehicles) erleichtern die alltägliche Arbeit und sparen Zeit.


Cowboy und Cowgirl auf der Suche nach Rindern

Doch es gibt immer noch Jobs, die nur von Reitern übernommen werden bzw. übernommen werden können. Viele Weiden, auf denen die Tiere den Sommer verbringen, sind von Canyons und schroffen Hängen durchzogen, in die kein ATV gelangt, und sei es noch so geländetauglich. Folglich bleiben Pferde die einzige Möglichkeit die Rinder dorthin zu treiben. Eine zum Teil sehr anstrengende Arbeit, die aber zu den beeindruckendsten Tätigkeiten gehört, die ich hier mitunter erleben darf. So gibt es wenig Schöneres für mich als auf einem Pferd durch die atemberaubende Landschaft Wyomings zu reiten.


Brandings

Reiterin beim Roping

Neben den Viehtrieben hatte ich auch die Gelegenheit einigen brandings beizuwohnen. Bei brandings werden die Kälber, die im Frühjahr geboren wurden, mit dem Brandzeichen der Ranch versehen. Brandzeichen sind in Wyoming gesetzlich vorgeschrieben und jede Ranch besitzt ein eigenes Zeichen, sodass das Tier eindeutig zugeordnet werden kann, sollte es einmal verloren gehen. Brandings sind darüber hinaus ein wichtiges gesellschaftliches Ereignis, bei dem benachbarte Ranches und Dorfbewohner eingeladen werden, um bei der langwierigen und körperlich sehr anstrengenden Arbeit zu helfen.

Zwei Helfer beim Niederringen eines Kalbs

Dabei wird hier viel Wert auf Tradition gelegt und so spielt auch hier der Cowboy oder das Cowgirl eine wichtige Rolle. Die Reiter sind dafür verantwortlich die Kälber mit ihrem Lasso (rope genannt) einzufangen und zu den Helfern zu schleifen, wo sie von diesen niedergerungen ihr Brandzeichen erhalten. Die brandings finden in dafür vorgesehenen Gehegen statt, in die die Tiere vorher getrieben werden. Nach dem die Arbeit getan ist, lädt die gastgebende Ranch zum Essen ein und es wird über die Erlebnisse des Tages diskutiert.



Rodeos

Reiterin beim Team Roping

Der Volksport Nummer eins ist in Wyoming sicherlich das Rodeo. Der Sport, der aus der Viehzucht in Mexiko und Spanien hervorging und immer noch viele alltägliche Praktiken der Rancharbeit zum Thema hat, erfreut sich in diesem Teil des Landes und darüber hinaus einer großen Beliebtheit. So ist es besonders das bull riding, dass inzwischen ganze Stadien in den USA füllt und es mit der Dokumentation fearless sogar auf Netflix geschafft hat.

Spektakulärer Sturz beim Bronc Horse Riding

Doch auch die anderen Disziplinen, wie roping (in den verschiedenen Spielarten), barrel racing oder bronc horse riding sind wahnsinnig spannend anzuschauen, aber nicht immer leicht zu verdauen. Besonders das bronc horse riding oder das bull riding sind extrem gefährliche Praktiken, bei denen es zu schweren Verletzungen kommen kann. Zusätzlich ist natürlich der Umgang mit den Tieren für jemanden wie mich, der nicht damit aufgewachsen ist und auch deren Wohl im Blick hat, nicht immer leicht zu ertragen.


Wild Cow Milking

Neben dem professionellen Rodeo gibt es noch das sogenannte Ranch Rodeo. Diese eher lokal gehaltenen Turniere, bei denen meistens Teams von verschiedenen Ranches gegeneinander antreten, beinhalten nochmals andere Disziplinen, die näher an der alltäglichen Rancharbeit ausgerichtet sind. So gibt es hier Disziplinen wie branding, team penning, trailer loading und wild cow milking. Fotografisch bietet das Rodeo natürlich unendlich viele Motive und ich hatte das Glück eine Woche ein Rodeo Camp fotografisch zu begleiten, bei dem Jugendliche und Kinder die verschiedenen Disziplinen erlernen.



Gun Culture

Sig Sauer P365 9mm Luger

Waffen – in Form von Gewehren, Pistolen oder Revolvern – spielen in den USA, aber besonders in ländlichen und konservativen Staaten wie Wyoming eine große Rolle. Dabei lässt sich die Anwesenheit von Waffen nur zum Teil durch die Jagd erklären, die hier immer noch einen wichtigen Aspekt des alltäglichen Lebens bildet. Auch sind Waffen zwar zum Selbstschutz da – sei es vor wilden Tieren, Verbrechern oder der „übergriffigen“ Regierung – doch vielmehr als alles andere sind Waffen für viele Amerikaner und auch Amerikanerinnen ein beliebtes Hobby, in das sie viel Zeit und Geld investieren. So haben viele der Personen, die ich im Lauf meiner Forschung kennengelernt habe, nicht nur ein oder zwei Waffen in ihrem Besitz, sondern gleich ein Dutzend oder mehr. Um zu Schießen geht man auf eine nahegelegene shooting range oder in die abgeschiedene Natur.

Jede Patrone wird einzeln kontrolliert

Um Geld zu sparen aber auch um noch präzisere Munition herzustellen, laden einige Waffenliebhaber ihre Munition selber nach. Reloading heißt diese Tätigkeit und man braucht einiges an Erfahrung und auch Gerätschaften, um die verschiedenen Arbeitsschritte durchführen zu können. Die Variation zwischen den einzelnen Patronen sollte am Ende so gering wie möglich sein, sodass die Patronen beim Abfeuern die gleichen Eigenschaften aufweisen und dadurch äußerst präzises Schießen ermöglichen.


Smith & Wesson Model 19 .357 Magnum

Natürlich ist das Thema Waffen und die damit verbundene gun culture nicht unumstritten und politisch sehr brisant. Nach jedem mass shooting entflammt die Diskussion erneut und wie bei vielen anderen Themen, stehen sich auch hier besonders Demokraten und Republikaner gegenüber. Die Diskussionen verlaufen allerdings meistens im Sand und Veränderungen finden eher selten statt.



Ein paar weitere Einblicke